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Ich wollte nie einen Hütehund ...

oder: Liebeserklärung an eine Nervensäge

Mein erster eigener Hund war ein kleiner schwarzer Pudel, den ich mit 14 Wochen aus dem Tierheim holte. Mein "Seelenhund": lieb, anhänglich, freundlich und nahezu "selbsterziehend". Lilli war immer überall dabei, machte nie Probleme und hat mit ihrem tollen Wesen sogar überzeugte "Pudelhasser" für ihre Rasse begeistern können. Nach 8 gemeinsamen Jahren starb sie 2006 plötzlich an einem Milztumor und es zerriss mir das Herz ... Trotz der großen Trauer um Lilli stand für mich fest, dass ich einem neuen Hund aus dem Tierschutz einen Platz in meinem Leben geben werde. Und ich hatte genaue Vorstellungen: keinen Pudel, das hätte zu sehr weh getan. Ruhig etwas größer. Lieb soll er sein, anhänglich und freundlich - so wie Lilli. Kein Welpe, aber auch nicht älter als ein Jahr. Die Fellfarbe spielt keine Rolle und die Rasse auch nicht - aber keinen Terrier und keinen Hütehund!!! Die sind so hibbelig und anstrengend und man kann ihnen im Alltag auch nicht wirklich gerecht werden ... Nein, einen Hütehund wollte ich auf keinen Fall!

Ich fuhr in unzählige Tierheime und guckte in unzählige hoffnungsvolle Hundegesichter. Bei einigen meldete sich mein Verstand: "Na, der wäre doch was..." oder "Die macht seinen total unkomplizierten Eindruck...". Ich trieb mich nächtelang im Internet rum und stöberte auf Tierschutzseiten. So viele tolle Hunde ...

Dann besuchte ich noch einmal das Tierheim in Minden, landete vor einem Zwinger mit einem "bunten Hund" - und verlor augenblicklich mein Herz an "Fancy", einen Fundhund, ca. 4 Jahre alt und soooo süß. Sie war fürchterlich aufgeregt, winselte und angelte ständig mit der Pfote durch das Gitter nach meinem Arm ... Mein Herz und ich schmolzen dahin - während mein Verstand fast ins Koma fiel. Denn: Auf dem Schild am Zwinger stand "BORDER COLLIE-MIX". Also sammelte mein Herz wieder ein, reanimierte meinen Verstand und fuhr - ohne Hund - nach Hause. Nein, ein Hütehund kam nicht in Frage!!

Doch dieser bunt-gefleckte Hund ließ mich nicht mehr los ... Vielleicht war die ja gar kein Hütehund und die im Tierheim haben sich geirrt ... Vielleicht ist sie total lieb ... Vielleicht ist es Schicksal ... Nach einer durchgrübelten Nacht fuhr ich wieder ins Tierheim. - Man kann ja mal so ganz unverbindlich mit Fancy spazieren gehen ... Wir gingen, und sie benahm sich total toll, war fast schon ein bisschen zu schüchtern - und mein Herz ging auch wieder einige Wege: Wo stelle ich das Körbchen hin? Ob sie sich mit dem Hund meiner Eltern verträgt? Ich sah uns schon auf dem Sofa kuscheln ...

Kurz: nach 5 Wochen regelmäßigen Gassi-Besuchen und immer schwereren Abschieden nach unseren Spaziergängen, holte ich meinen "Streuselhund", dem ich mittlerweile den Namen "Lotta" gegeben hatte, zu mir nach Bückeburg. ...  Und ahnte nicht, a was für ein Überraschungspaket ich mein Herz verloren hatte ...

Die ersten Wochen in ihrem neuen Zuhause war sie toll: Zurückhaltend, aber lieb und sehr gehorsam. Schon nach wenigen Tagen konnte ich sie ableinen - sie blieb immer in unmittelbarer Nähe. Auch mit dem Hund meiner Eltern verstand sie sich von Anfang an recht gut. Ihre "einzigen Probleme" waren: panische Angst vor Wasser (was kein großer Spaß ist, wenn man Matschpfoten abwaschen muss), ziemlich heftiger Hütetrieb (mancher Border Collie wäre neidisch!) und Unsicherheit bei einigen Männern - denen sie dann meist aus dem Weg gegangen ist. Wir haben und in dieser ersten Zeit oft gefragt, warum so ein lieber, zurückhaltender und gehorsamer Hund (angeblich) ausgesetzt wurde.

Ende Januar 2007 bekam ich davon eine dunkle Ahnung ... denn Lotta begann, egal on an- oder abgeleint aggressiv auf andere Hunde, und, was viel schlimmer war, auch auf ältere Menschen loszugehen. Es genügte oft eine Mütze, ein Stock in der Hand oder nur ein Blick und Lotta geriet völlig außer Rand und Band. Sie war dann in einem richtigen Rausch, entwickelte Wahnsinnskräfte an der Leine und war absolut nicht mehr ansprechbar.

Sie konnte auch nicht gut alleine bleiben - selbst wenn der Hund meiner Eltern bei ihr war. Sobald sie merkte, dass niemand mehr da war, sprang sie an den Fenstern hoch, öffnete alle Türen und fraß alles, was ihr vor die Schnauze kam. Spaziergänge wurden zu einer regelrechten Mutprobe und ihr Verhalten an der Leine war eine einzige Katastrophe. Sie hatte kein Vertrauen zu mir und ich - aufgrund ihrer "Aussetzer" - nicht mehr zu ihr. Innerhalb der Familie benahm sie sich dagegen unauffällig und war immer darauf bedacht, allen zu gefallen. Von Anfang an war Lotta ein totaler Balljunkie und kam mit einigen wenigen Hunden gut zurecht. Aber enger körperlicher Kontakt zu mir oder anderen Menschen schien ihr extrem unangenehm zu sein - und das hat sie auch oft sehr deutlich durch Knurren und hochgezogene Lefzen zu verstehen gegeben. Wollte ich sie aufs Sofa locken, legte sie sich demonstrativ auf ihre Decke. Obwohl sie irgendwie auch anhänglich war, hatte ich immer das Gefühl in einer Art "Zweckgemeinschaft" mit Lotta zu leben - dass sie irgendwie "ihr eigenes Ding" macht. Sie war da, war freundlich zu mir und bekam dafür Futter und Auslauf. Das war's aber auch schon.

Obwohl ich mich mit Hunden ganz gut auskannte, war ich bei Lotta mit meinem Latein am Ende. Ich war verzweifelt, traurig, hilflos und total unglücklich. Ich wusste, dass wir unsere Probleme in den Griff kriegen mussten - wenn nicht, müsste sie wieder ins Tierheim ... Und das wollte ich natürlich auf keinen Fall!

Also suchte ich eine Hundeschule - und musste feststellen, dass wir und unsere Probleme vielen sogenannten "Experten" wohl doch etwas zu kompliziert waren. Da wurde geschrien, geruckt, gezerrt - oder wir durften gar nicht erst auf den Trainingsplatz, weil Lotta ja "aggressiv" war. Das war wirklich nicht das, was ich mir unter Verhaltenstraining vorstellte. Also musste ich mir doch wieder selber helfen.

Über eine Bekannte erfuhr ich die Kontaktdaten von einer Tierkommunikatorin in der Nähe (bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich die Tiko ja immer belächelt...) Egal, ich war ratlos und hatte sowieso schon horrende Summen in sinnlose Erziehungshilfen und Trainingsstunden gesteckt. Also warum nicht aus das? Am Tag dieses Gesprächs mit Lotta verließen mein Hund und ich unser "Tal der Tränen". Ich erfuhr viel über ihre Vergangenheit und ihre Ängste und hatte sehr lange damit zu tun, das Gehörte zu verarbeiten. Aber plötzlich wurde immer klarer, warum sie reagierte, wie sie es tat und auch, wie ich ihr helfen konnte. Sie bekam Bachblüten, Heilsteine und Schüssler-Salze (alles Dinge, an die ich vorher nie geglaubt habe). Ich las alle Hundebücher, die ich in die Finger bekam und suchte mir aus allem die Tipps und Übungen heraus, von denen ich mir Hilfe versprach. Nach kurzer Zeit änderte sich Lotta tatsächlich. Sie war weniger aufbrausend, wieder "zugänglicher" und auch ich ging anders mit ihr um. Ich gab ihr klare Kommandos und war in brenzligen Situationen aufmerksamer und selbstbewusster. Der "Knoten platzte", als wir endlich UNSERE Hundeschule fanden. Die Trainerin war auf sogenannte "Problemhunde" spezialisiert und half uns auf den richtigen Weg.

Und so kam nach den vielen Tränen die Arbeit: in der Hundeschule übten wir Unterordnung und nahmen (trotz meiner Angst vor Beißereien) an Rudelspaziergängen mit teilweise über 10 Hunden teil. Ich fütterte Lotta nur noch auf den Spaziergängen und aus der Hand und forderte dafür auch "Gegenleistungen" von ihr. Ich suchte Hilfe bei Hütehund-Spezialisten und brachte Lotta einige "niedliche" Tricks bei (so was hilft ungemein, wenn man mit Menschen zu tun hat, die den Hund für aggressiv halten...) Wir liefen oft an Kuhweiden und Pferdewiesen entlang, damit Lotta ihre Angst vor diesen Tieren ablegte. Ich versuchte sie mit Intelligenz- und Schnüffelspielen auszulasten und wir traten einer Fun-Agility-Gruppe bei, wo Lotta und ich erst mal üben mussten, uns zu konzentrieren. Wir machten Stadtgänge und untersuchten gemeinsam die Dinge (wie z.B. Figuren oder Brunnen) die Lotta Angst machten. Wir übten ins Café und in die Kneipe zu gehen, ohne andere Menschen anzuknurren. Ich versuchte Lotta überall hin mitzunehmen: in Zoos, Kaufhäuser, Museen, Restaurants ... Ich "zwang" sie mit vielen Leckerlies zum Kontaktliegen und verbrachte so Stunden auf dem Fußboden neben ihr - dankbar für jede Minute, die sie neben mir "aushielt". Ich lernte meine Stimme (auch sehr laut!) einzusetzen, achtete mehr auf meine Körpersprache und darauf, absolut konsequent zu bleiben.

Nach vielen Rückschlägen und immer wieder neuen Versuchen kann ich heute sagen, dass ich absolut glücklich mit Lotta bin - und ich glaube, sie auch mit mir ... sie versteht sich super mit anderen Hunden und hat mittlerweile viele Hundefreunde (aber gepflegte Feindschaften gibt's natürlich auch...), seit letztem Jahr hat sie ihre Wasser-Angst komplett abgelegt und schwimmt wie ein kleiner Otter (das haben ihr ihre Hundekumpels gezeigt!). Wenn ihr Menschen oder Situationen unheimlich sind, lässt sie sich meist schnell beruhigen und überlässt es mir "die Sache zu regeln". Sie kann tolle Tricks und einzelne Dogdancing-Elemente, knackt in kürzester Zeit jedes Intelligenzspiel, macht Agility (erfolgreicher als ihr Frauchen...) und sortiert begeistert ihr Spielzeug. Bälle und Stöcke sind nach wie vor ihre große Leidenschaft. An der Leine läuft Lotta jetzt sehr gut - zumindest wenn kein anderer Hund dabei ist, den sie meint hüten zu müssen... Sie gehorcht (meistens) aufs Wort und will eigentlich immer nur "dabei" sein. Und das ist sie auch fast immer!

Ein Highlight für Lotta ist unser jährlicher Urlaub an der Nordsee oder in Schweden: schlafen, fressen, laufen, schwimmen und irgendjemand schmeißt immer einen Ball oder Stock...

Sie klaut immer noch Essen, wenn sie allein ist (da dürfen es auch gerne mal 1,5 Kilo Vogelfutter, 10 Brötchen oder 30 Mon Chéri sein...), sie ist immer noch kein Super-Schmuser, aber sie kommt kuscheln und sie sucht jetzt von sich aus den Körperkontakt mit mir. Sie treibt Zwei- und Vierbeiner mit ihrer Hüterei in den Wahnsinn und mischt sich überall ein. Sie verteilt wo sie geht und steht Dreck und haart das ganze Jahr wie verrückt. Wenn ich sie nicht beschäftige, denkt sie sich selbst ziemlich blöde Sachen aus. Sie ist anstrengend, sie ist hibbelig und so intelligent, dass es oft nervt. Sie hat den totalen Kontrollzwang und meint, sie müsste sich um absolut ALLES kümmern. Sie muss immer die Schnellste, die Größte und die Erste sein - und - sie ist das Beste, was mir passieren konnte!!!

Durch meinen "verdrehten" Hund habe ich viele liebe Menschen, Hunde, Leidensgenossen und Freunde kennengelernt und habe sooo viel gelernt (nicht nur "Hundesachen" sondern auch ganz viel Zwischenmenschliches!) Und nicht zuletzt war es natürlich auch Lotta, die mir ganz viel Neues beigebracht hat!

Nein, einen Hütehund wollte ich auf gar keinen Fall!

Jetzt hab ich einen - und würde ihn für nichts in der Welt wieder hergeben!

Als ich Lotta aus dem Tierheim holte, dachte ich, ich hätte ein besonders hübsches "Kieselsteinchen" bekommen - aber jetzt, nachdem ich fast 3 Jahre an ihm "rumgerubbelt" habe, merke ich, dass ich ein Goldstück gefunden habe.

Ich möchte mit unserer Geschichte Besitzer von sogenannten "Problemhunden" (oder auch von Hunden, die einfach anders sind, als man es sich gewünscht hat) ermuntern, nicht aufzugeben und sich wirklich professionelle Hilfe zu suchen. Lasst bei der Wahl der Hundeschule bzw. des Trainers, euer Gefühl entscheiden. Habt Vertrauen in euch und eure Hunde und gebt euch Zeit "zusammen zu wachsen". Mit Liebe, Konsequenz und ganz viel Geduld lässt sich wirklich Unglaubliches erreichen! Durch Lotta habe ich außerdem gelernt: Auch wenn man (anfangs...) vielleicht nicht unbedingt an Tierkommunikation, Edelsteintherapie, Bachblüten oder andere naturheilkundliche Therapien glaubt: Es lohnt sich immer, auch mal unkonventionelle Wege zu gehen!!

An dieser Stelle noch mal ein Dankeschön an alle, die mir immer wieder Mut gemacht haben, die mir die Fortschritte zeigten, wo ich Rückschritte sah und mir immer wieder mit Rat und Tat zur Seite standen!

 

(Andrea Tuschke im Oktober 2009)